JAN
1
CzipinCercle: Stresstest für den Handel

Alois Czipin diskutierte mit Josef Taus, Damian Izdebski,
Helmut Brandstätter und Frank Hensel
In entspannter Atmosphäre diskutierten am Mittwochabend beim „Czipin Cercle“ Wirtschaftsexperten und Top-Manager ein ganz und gar nicht entspannendes Thema. Produktivitätsberater Mag. Alois Czipin präsentierte einen „Stresstest“ für den Handel – mit durchaus brisanten Ergebnissen: 82 Prozent der österreichischen Handelsunternehmen sind nicht ausreichend für eine drohende Wirtschaftskrise gerüstet, würden schon bei Umsatzverlusten von zehn Prozent in die Verlustzone rutschen.
„Dieses Ergebnis ist besorgniserregend, aber nicht dramatisch – denn in puncto Produktivität gibt es im Handel noch genügend Luft nach oben – mit gezielten Maßnahmen liegen da noch etwa acht Prozent brach“, erläuterte Czipin, und weiter: „Dazu muss es aber Bewusstseinsänderungen geben, auch und vor allem im mittleren Management. Am Point of Sale wird nicht geführt, und auch das Kerngeschäft des Handels – der aktive Verkauf – wird in den Filialen oft vernachlässigt.“ Zwei bis drei Prozent Spanne seien im österreichischen Handel schon zur self fulfilling Prophecy geworden, konstatierte Czipin, dabei wäre Optimierung jetzt das Gebot der Stunde: „Nur wer seine Potenziale voll ausschöpft, wird eine kommende Krise auch überstehen.“
Kundenservice am POS im Brennpunkt
Klar, dass diese brisanten Thesen für angeregte Diskussionen auf dem mit Gastgeber Mag. Alois Czipin, Frank Hensel (Vorstandsvorsitzender REWE International AG), Damian Izdebski (geschäftsführender Gesellschafter DiTech GmbH) und Dr. Josef Taus (Aufsichtsratsmitglied MTH-Holding) mehr als hochkarätig besetzten Podium sorgte.
„Unsere Unternehmen sind schon sehr gut gerüstet. Wir optimieren unsere Abläufe laufend – anders geht es auch gar nicht“, so REWE-Vorstandsvorsitzender Frank Hensel, der es als gelernter Einzelhandelskaufmann an die Spitze des Konzerns gebracht hat und auch heute noch regelmäßig Filialen in ganz Europa persönlich unter die Lupe nimmt. Den Befund, dass große Handelsketten in den Filialen oft die Kundenbetreuung vernachlässigen, teilt er nicht: „Unser Konzept funktioniert, unsere Kunden sind zufrieden.“ Unterstützt wurde er in seiner Argumentation von Josef Taus: „Das amerikanische Cash- & Carry-Prinzip hat sich auch bei uns bewährt. Meinl hat es mit persönlicher Kundenbetreuung versucht und ist an den Personalkosten gescheitert.“ DiTech-Gründer Damian Izdebski hingegen schwört auf Beratung und Service: „Anders geht es in unserer Branche nicht. Die Spannen sind bei Elektronikprodukten so gering, da müssen unsere Verkäufer Zubehör mit höheren Spannen aktiv mitverkaufen – sonst haben wir ein Problem.“
Einhellig bestätigt wurde aber die These, dass im Personaleinsatz und vor allem in der Führungseffizienz des mittleren Managements das größte Optimierungspotenzial liegt. Alois Czipin präsentierte eine Befragung unter Marktleitern – nur 18 Prozent der Zeit werden tatsächlich für Führungsaufgaben aufgewendet. „Das ist viel zu wenig. Produktivität kann nur mit effizientem Management gesteigert werden. Es ist die Aufgabe von Marktleitern, ihre Mitarbeiter zu führen und zu schulen bzw. Prozesse in ihren Märkten zu optimieren. Dafür bleibt zu wenig Zeit.“ Auch Frank Hensel konstatierte: „Es ist natürlich nicht immer einfach, unsere Managementstandards bis in die einzelnen Filialen durchzutragen. Daran arbeiten wir hart.“
Topmanager im Plenum
Aktiv an der Diskussion beteiligten sich auch die rund 60 Topmanager im Plenum - darunter unter vielen anderen: DI Robert Chvatal von T-Mobile, GD Eduard Kranebitter von Schlumberger, Kurt Mann von „Der Mann“, Mag. Werner Neuwirth-Riedl von BauMax, Dr. Josef Schwarzecker von Porr, Dr. Wolfram Themmer als Aufsichtsratsvorsitzender von Forstinger, Dr. Karl Sevelda von der Raiffeisenbank International, Dr. Martin Waldhäusl von der MTH Holding und Mag. Werner Weber von Niedermayer. Einhelliges Resümee des Abends: Für Umsatzeinbrüche von zehn Prozent und mehr kann man sich im Vorhinein nicht rüsten. Aber nur Unternehmen, die jetzt schon ihre Produktivität optimieren, können eine echte Krise überstehen und, durch die dann stattfindende Marktbereinigung, daraus noch gestärkt hervorgehen.
Bildergalerie (Herunterladen)
(0)
Dateianhänge
![]() |
Stresstest 2011 Handel.pdf | Dateigröße: 3301 kB |





Ihr Kommentar
Klicken Sie hier um sich einzuloggen.
Kommentare